Ratgeber

Hausverkauf bei Scheidung oder Trennung – was passiert mit der gemeinsamen Immobilie?

Hausverkauf bei Scheidung – gemeinsame Immobilie übernehmen, auszahlen oder verkaufen

Eine Trennung ist schon kompliziert genug. Wenn dann noch ein gemeinsames Haus oder eine Wohnung dazukommt, wird es meistens nicht einfacher.

Wer bleibt in der Immobilie? Kann einer den anderen auszahlen? Was ist das Haus überhaupt wert? Und wenn verkauft werden soll: Zu welchem Preis?

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, diese Fragen möglichst sachlich voneinander zu trennen. Das gelingt nicht immer sofort. Schließlich geht es nicht nur um viel Geld, sondern häufig auch um das bisherige gemeinsame Zuhause.

Einer möchte bleiben

Das ist zunächst eine naheliegende Lösung.

Einer übernimmt die Immobilie, der andere scheidet aus. In der Praxis funktioniert das aber nur, wenn die finanziellen Voraussetzungen dafür vorhanden sind.

Zunächst braucht man eine realistische Vorstellung davon, was die Immobilie tatsächlich wert ist. Denn auf dieser Grundlage lässt sich überhaupt erst vernünftig darüber sprechen, zu welchen Bedingungen eine Übernahme erfolgen könnte.

Dann kommt die Finanzierung.

Bestehen noch Darlehen, muss mit der finanzierenden Bank geklärt werden, wie damit umgegangen werden kann. Gleichzeitig muss derjenige, der das Haus behalten möchte, einen möglichen finanziellen Ausgleich an den anderen auch tatsächlich darstellen können.

Und genau daran kann eine eigentlich gewünschte Lösung scheitern.

Was ist das gemeinsame Haus wirklich wert?

Gerade bei einer Trennung können die Vorstellungen darüber weit auseinandergehen.

Derjenige, der das Haus behalten möchte, betrachtet den Wert möglicherweise anders als derjenige, der ausgezahlt werden soll.

Das ist menschlich nachvollziehbar.

Für eine vernünftige Lösung hilft aber weder ein künstlich hoher noch ein künstlich niedriger Wert.

Deshalb halte ich eine ehrliche und nachvollziehbare Immobilienbewertung in dieser Situation für besonders wichtig.

Es muss erkennbar sein, warum ein bestimmter Wert angesetzt wird: Lage, Grundstück, Zustand, Ausstattung und die aktuelle Marktsituation müssen berücksichtigt werden.

Eine Bewertung sollte hier nicht dazu dienen, einer Seite recht zu geben. Sie sollte eine Grundlage schaffen, über die beide überhaupt sprechen können.

Wenn eine Übernahme finanziell nicht funktioniert

Auch das erlebt man.

Einer würde gern im Haus bleiben, kann aber die Finanzierung und einen möglichen Ausgleich an den anderen nicht stemmen.

Dann hilft es wenig, monatelang an einer Lösung festzuhalten, die wirtschaftlich nicht funktioniert.

In diesem Fall kann ein Verkauf am Ende der sauberere Weg sein.

Das bedeutet nicht, dass man sofort verkaufen muss. Aber irgendwann sollte klar sein, welche Möglichkeiten tatsächlich finanzierbar sind.

Wenn das Haus verkauft werden soll

Sind sich beide über den Verkauf einig, ist ein wichtiger Schritt bereits geschafft.

Trotzdem müssen anschließend viele Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Welcher Angebotspreis ist realistisch? Welche Unterlagen werden benötigt? Wann können Besichtigungen stattfinden? Wer kümmert sich um das Haus? Wann ist eine Übergabe möglich?

Das klingt zunächst banal. In einer angespannten persönlichen Situation können aber selbst solche Fragen schwierig werden.

Als Makler versuche ich deshalb, die Immobilienvermittlung möglichst sachlich zu halten.

Es geht nicht darum, die Trennung zu bewerten oder Partei zu ergreifen.

Meine Aufgabe ist die Immobilie.

Der Makler sollte nicht zwischen den Fronten stehen

Bei einem gemeinsamen Verkauf müssen beide Eigentümer darauf vertrauen können, dass Informationen nicht unterschiedlich weitergegeben werden.

Deshalb halte ich Transparenz in solchen Fällen für besonders wichtig.

Wenn es eine Rückmeldung zum Preis gibt, müssen beide dieselbe Information bekommen. Gibt es ein Kaufangebot, wird es beiden Seiten nachvollziehbar vorgestellt. Gibt es Schwierigkeiten im Verkaufsprozess, gehören auch diese offen auf den Tisch.

Der Makler ist kein Schiedsrichter für persönliche Konflikte.

Er kann aber dafür sorgen, dass der Immobilienverkauf nicht noch zu einem zusätzlichen Konflikt wird.

Manchmal braucht es etwas Pragmatismus

Nicht jede Trennung endet im Streit.

Ich habe auch erlebt, dass ehemalige Partner sehr vernünftig miteinander umgehen und gemeinsam eine Lösung suchen.

Dann kann vieles erstaunlich unkompliziert funktionieren.

Schwieriger wird es, wenn jede Entscheidung Teil des persönlichen Konflikts wird. Dann kann schon die Frage nach einem Besichtigungstermin unnötig kompliziert werden.

Gerade deshalb hilft ein klarer Ablauf.

Was muss entschieden werden? Wer muss zustimmen? Welche Unterlagen fehlen? Welche Rückmeldungen gibt es vom Markt?

Je mehr davon sachlich organisiert wird, desto weniger Raum bleibt für Missverständnisse.

Und wenn einer gar nicht verkaufen möchte?

Dann stößt die normale Maklerarbeit irgendwann an ihre Grenze.

Ein Makler kann vermitteln, erklären und Möglichkeiten aufzeigen. Er kann aber keinen privaten oder rechtlichen Konflikt zwischen Eigentümern entscheiden.

Wenn keine gemeinsame Entscheidung möglich ist, sollte rechtlicher Rat eingeholt werden, bevor weitere Schritte unternommen werden.

Das ist aus meiner Sicht ehrlicher, als so zu tun, als ließe sich jedes Problem mit einer guten Vermarktung lösen.

Erst klären, dann verkaufen

Bei einer Immobilie im Zusammenhang mit Trennung oder Scheidung würde ich deshalb nicht mit einem Immobilieninserat anfangen.

Zuerst sollte geklärt werden, welche Lösung überhaupt angestrebt wird.

Möchte einer die Immobilie übernehmen, braucht es eine nachvollziehbare Bewertung und eine realistische Klärung der Finanzierung.

Soll verkauft werden, sollte möglichst Einigkeit darüber bestehen, wie der Verkauf ablaufen soll.

Und wenn diese Einigkeit noch nicht vorhanden ist, muss manchmal zunächst genau daran gearbeitet werden.

Ein Hausverkauf kann eine Trennung nicht einfacher machen.

Aber er sollte sie auch nicht unnötig schwieriger machen.

Meine Aufgabe als Makler ist es deshalb, beim Thema Immobilie Ruhe, Transparenz und einen klaren Ablauf hineinzubringen – gerade dann, wenn ringsherum schon genug andere Dinge zu klären sind.