Ratgeber
Erst kaufen, dann verkaufen? Ein Praxisfall aus meiner Arbeit
Das neue Haus ist gefunden – aber die eigene Immobilie noch nicht verkauft. Genau dann fängt bei vielen Eigentümern das Rechnen an: Reicht die Zeit? Brauche ich eine Zwischenfinanzierung? Was passiert, wenn mein Haus nicht rechtzeitig verkauft wird?
Mit genau so einer Situation beschäftige ich mich gerade bei einem Hausverkauf.
Vier Monate Zeit – kann das funktionieren?
Die Käufer einer Immobilie besitzen selbst noch ein Haus, das verkauft werden soll. Für das neue Haus ist die Übergabe zum 31. Dezember vorgesehen.
Damit haben wir mehrere Monate Zeit, um den Verkauf vernünftig vorzubereiten und umzusetzen.
Mein erster Schritt war eine realistische Bewertung der bestehenden Immobilie. Die Eigentümer sind mit meiner Einschätzung einverstanden und wir starten jetzt mit der Vermarktung.
Das Ziel ist klar: Das Haus soll rechtzeitig verkauft werden, damit der Verkaufserlös für den Kauf der neuen Immobilie zur Verfügung steht.
Wenn das gelingt, brauchen die Käufer im besten Fall überhaupt keine Zwischenfinanzierung.
Garantieren kann das natürlich niemand. Auch bei einem guten Angebotspreis entscheidet am Ende der Markt, wie schnell sich der passende Käufer findet und dessen Finanzierung steht.
Die Zwischenfinanzierung bleibt der Notfallplan
Trotzdem habe ich empfohlen, frühzeitig mit einem zuverlässigen Finanzierer zu sprechen.
Nicht, um jetzt schon eine Zwischenfinanzierung abzuschließen.
Es soll nur vorher geklärt sein, ob diese Möglichkeit grundsätzlich besteht, falls der Hausverkauf doch nicht rechtzeitig abgeschlossen wird.
Erst wenn sich wirklich abzeichnet, dass der Verkaufserlös zum notwendigen Zahlungstermin nicht da ist, müsste über eine Zwischenfinanzierung entschieden werden.
Damit ist zumindest geklärt, was passiert, wenn unser Zeitplan nicht aufgeht.
Auch die späteren Käufer müssen mitziehen
Zur Planung gehören aber nicht nur die Eigentümer und der Finanzierer.
Wenn wir einen Käufer für das bisherige Haus finden, muss auch dieser wissen, wann ein Auszug und eine Übergabe realistisch möglich sind.
Vielleicht entsteht zwischen Kaufpreiszahlung, Auszug und Einzug in das neue Haus eine kleine zeitliche Lücke. Dann muss man gemeinsam schauen, wie sich das vernünftig lösen lässt.
Solche Dinge müssen vorher besprochen werden und nicht erst, wenn der Umzug praktisch vor der Tür steht.
Für mich ist das ein gutes Beispiel für Maklerarbeit in der Praxis
Immobilienvermittlung besteht nicht nur daraus, ein Haus zu inserieren und einen Käufer zu finden.
Manchmal geht es vor allem darum, einen Ablauf so zu koordinieren, dass er für alle Beteiligten funktioniert.
Verkäufer, Käufer des bisherigen Hauses, Verkäufer des neuen Hauses, Finanzierer und Notar müssen möglichst denselben Zeitplan kennen und bereit sein, an einer sinnvollen Lösung mitzuwirken.
Ob unser Plan in diesem konkreten Fall exakt aufgeht, wird sich zeigen.
Ich halte es für realistisch, den Verkauf innerhalb des vorhandenen Zeitfensters zu schaffen. Ein Versprechen wäre trotzdem unseriös.
Wir versuchen deshalb, den Verkauf so sauber wie möglich zu organisieren und gleichzeitig zu wissen, welche Alternative besteht, falls es zeitlich doch nicht reicht.
Wenn am Ende der Verkauf des bisherigen Hauses, die Kaufpreiszahlungen und beide Übergaben gut ineinandergreifen und keine Zwischenfinanzierung nötig wird, wäre genau das erreicht, was gute Vorbereitung leisten soll:
Eine komplizierte Situation so zu organisieren, dass aus Hauskauf und Hausverkauf möglichst keine schlaflosen Nächte werden.
Hinweis: Der Beitrag beschreibt einen anonymisierten Praxisfall und stellt keine Finanzierungs- oder Rechtsberatung dar. Finanzierungsfragen sind mit der Bank bzw. einem qualifizierten Finanzierungsberater und vertragliche Regelungen mit dem beurkundenden Notar zu klären.
